Historisches Gebäude mit modernster Technik

Vom Rheinstahl-Hochhaus über das Thyssen-Haus zum RUHR Tower


Das ehrwürdige Gebäude wird heute als RUHR Tower geführt

Die Neuordnung der Rheinischen Stahlwerke AG (Rheinstahl AG) nach Ende des Zweiten Weltkrieges resultierte in Verlegungen zahlreicher Verwaltungsabteilungen aus Düsseldorf, Mülheim und Bottrop in die Stadt Essen. Die Konzentration der Administration machte den Neubau eines Verwaltungssitzes erforderlich. 1956 wurde für dieses Anliegen ein auf 10 Architekten beschränkter Wettbewerb eröffnet, wobei aufgrund der kleinen Grundfläche und des großen Raumbedarfs schon früh der Bau eines Hochhauses priorisiert wurde. Die Vorentwürfe des Dortmunder Architekten Albert Peter Kleinworth entschieden den Wettbewerb. Für die Planung und Ausführung wurde das Ingenieurbüro Rhein/Ruhr und der Architekt Hanns Dunstmann beauftragt.

Das architektonische Ziel war von Beginn an eine Gebäudegruppe, die bewusst klar und sachlich gehalten ist, um das Hochhaus in seiner kristallinen Form wirken zu lassen. Die Architekten versuchten einen Bau zu errichten, der der Würde des Bauherren, der Rheinstahl AG, entspricht.

Zunächst wurden das Hochhaus und die Großgarage geplant, für deren Errichtung die Bauarbeiten im Jahr 1958 aufgenommen wurden. Im Oktober 1959 erfolgte die Grundsteinlegung und im Mai 1961 wurden die bezugsfertigen Gebäude an die Rheinstahl AG übergeben werden. Das Hochhaus, mit seinen 76,90 Metern Höhe, verfügt über 22 Hochgeschosse und drei Kellergeschosse. Es wurde nach amerikanischem Vorbild in Stahlskelettbauweise mit einem inneren Stahlbetonkern, der die Fahrstühle und Treppenhäuser umschließt, konstruiert. Da durch die Zusammenlegung der Verwaltung in Essen viele Mitarbeiter einen weiteren Anfahrtsweg hatte, wurde die Garage errichtet, um den Komfort zu erhöhen und zeitraubende Parkplatzsuche zu reduzieren.

Der siebengeschossige Erweiterungsbau, der in Architektur, Gestaltung und verwendeten Materialien dem Hochhaus angepasst ist, ist das "Nachfolgegebäude" des Arenberg-Hauses, das seit 1926 Sitz der Hauptverwaltung der Rheinischen Stahlwerke war. Das Arenberg-Haus, das die Rheinstahl AG eigentlich erhalten wollte, musste dem Ausbau des Ruhrschnellwegs, der Bundesautobahn 40, weichen. Der Erweiterungsbau wurde im Jahr 1963 erbaut. Im Jahr 1964 wurde der Erweiterungsbau und das Hochhaus durch den Bau einer Brücke miteinander verbunden. 

Vor dem Hintergrund der breitgefächerten Sparten und einer versäumten Konzentration auf das Kerngeschäft geriet das Unternehmen Ende der 1960 Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Dies mündete 1973 in einem Zusammenschluss mit der August-Thyssen-Hütte AG, wobei die Rheinstahl AG als rechtlich selbstständige Gesellschaft erhalten bleiben sollte. Im Verlauf der weiteren Jahre wurde das Unternehmen aber dennoch in den Großkonzern integriert und letzen Endes 1976 in Thyssen Industrie AG umbenannt. So vollzog sich auch de Namensänderung des Firmensitzes in Thyssen-Haus.

In 2006 hat die Thyssen Krupp AG beschlossen, eine neue Konzernzentrale im Westviertel Essens zu errichten. Das gesamte Ensemble wurde 2014 fertiggestellt, sodass die im Thyssenhaus niedergelassenen Sparten das Gebäude Mitte 2014 verlassen haben. 

Am 16. Juni 2015 wurde das Gebäude offiziell von der FAKT-Gruppe gekauft und in 2016 und 2017 umfänglich saniert. Hierbei werden vor allem die Richtlinien des Denkmalschutzes - die Gebäude stehen seit dem 20. August 2015 in der Denkmalschutzliste - und Aspekte der Energieeffizienz in den Mittelpunkt gestellt.